Schlaf

Melatonin, die Schlafdroge?

Im Jahr 1958 entdeckte der US-Dermatologe Aaron B. Lerner das Melatonin und beschrieb es als körpereigenes Hormon. Sie nahmen an, dass das Hormon in der Lage wäre, Hautpigmente aufzuhellen. Seine Forschungen zur endogenen Produktion und Wirkungsweisen führten dazu, dass er sich selbst exogenes Melatonin verabreichte, um einen Effekt zu erzielen. Doch statt der erhofften Wirkung wurde er und sein Team der Yale School of Medicine der Yale University schläfrig.

Was ist eigentlich das Melatonin?

Das Melatonin ist ein körpeereigenes Hormon, das den Schlaf-wach-Rhythmus steuert. Das Hormon wird in der Zirbeldrüse (med.: Epiphyse) produziert, wenn es dunkel wird. Das Hormon ist maßgeblich für unsere innere Uhr verantwortlich und bestimmt, wann wir müde werden und wann wir aufwachen. Der Melatonin Spiegel im Blut erreicht gegen 2 Uhr nachts seinen Höhepunkt und sinkt dann bis zum Morgen wieder. Mit etwa 60 Jahren schüttet die Zirbeldrüse nur noch die Hälfte an Melatonin aus, als es bei einem Erwachsenen mit 20 Jahren der Fall ist.

Die Wirkungsweise von Melatonin

In Tierversuchen wurde festgestellt, dass durch Melatonin das Immunsystem aktiviert wird, sodass Antikörper gegen Viren und Bakterien produziert wurden. Auch scheint Melatonin Zellen zu schützen gegen Schwermetalle, wie Quecksilber zum Beispiel. In vielen Ländern der Erde wird Melatonin als Antioxidans beworben. Es soll gegen Winterdepressionen, Gedächtnisproblemen, Jetlags und nächtlichem Bluthochdruck helfen.

Woran erkenne ich einen Melatonin Mangel?

Typische Anzeichen für einen Melatonin Mangel können sein

  • Depressionen
  • Migräne
  • Gedächtnisschwäche
  • Stimmungsschwankungen
  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • Schnelle Hautalterung

Melatonin Tabletten in der Apotheke

In Deutschland sind Melatonin Tabletten, die 2mg Melatonin enthalten, verschreibungspflichtig. Sie werden ausschließlich zur kurzzeitigen Anwendung gegen Schlafstörungen eingesetzt und sind nur für Personen zugelassen, die älter als 55 Jahre sind.

Ist Melatonin ein Nahrungsergänzungsmittel?

In den Vereinigten Staaten von Amerika kann Melatonin in jedem Drugstore gekauft werden. Auch in den Niederlanden ist das Hormon frei verkäuflich, auch ohne Rezept. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) und das Bundesinstitut Arzneimittel und Medizinprodukte sind sich einig, das Melatonin eine Substanz mit pharmakologischer Wirkung ist und somit als Arzneimittel einzustufen ist. Seit 2007 ist Melatonin durch die Europäische Kommission als Arzneimittel zur kurzfristigen Behandlung von Schlafstörungen zugelassen. Die Hersteller von Melatonin Produkten, sei es ein Spray, Tabletten, Kapseln oder Tropfen argumentieren, dass das Melatonin auch in Lebensmitteln vorkommt. Um auch nur 0,1mg des Hormons aufzunehmen, die in Deutschland erhältlichen Tabletten haben 2mg, müsste ein Erwachsener eine Tonne Gurken oder 200 Kilogramm Bananen essen.

Soll ich Melatonin einmal ausprobieren?

Alle Hersteller von Melatonin Produkten, maximal 1mg pro Dosis, versprechen ein schnelleres Einschlafen. Das Hormon hilft nur denen, die wirklich unter einem Melatonin Mangel leiden. Bei 50% der von Einschlaflosigkeit betroffenen Personen liegt die Ursache ganz woanders: Stress, Erkrankungen, innere Unruhe, die Einnahme von Medikamenten. Wieviel Melatonin ein Mensch zum Einschlafen braucht, ist individuell verschieden. Auch Durchschlafstörungen können mit Melatonin nicht behoben werden, denn es wird vom Körper innerhalb einer Stunde abgebaut. Da die Mittel als Nahrungsergänzungsmittel angeboten werden, fehlen alle klinischen Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit der Produkte, wie es für ein Arzneimittel die Regel wäre.

Nebenwirkungen von Melatonin

Schlaffördernde Mittel können auch stets das Gegenteil bewirken und zur Schlaflosigkeit führen.  Mögliche Nebenwirkungen nach Überdosierung oder Langzeiteinnahme sind:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Reizbarkeit
  • Nervosität
  • Hautausschläge

Auch kann es zu Wechselwirkungen kommen, wenn Melatonin gleichzeitig mit Antiepileptika, Antidepressiva oder Antithrombosemitteln genommen wird.

7 Tipps für einen erholsamen Schlaf ohne Hilfsmittel

  1. In den Abendstunden keine körperliche Anstrengung, damit der Kreislauf zur Ruhe kommen kann
  2. Möglichst Stress bei der Arbeit oder im Alltag vermeiden, denn der regt die Produktion von Cortisol an, dem Gegenspieler von Melatonin
  3. Kein schweres und fettreiches Abendessen
  4. Kein Konsum von Alkohol, Tabak, Kaffee, Cola und Energy Drinks in den Abendstunden
  5. Den Schlafraum vollständig abdunkeln (auch die Standby Lichter löschen)
  6. Die optimale Schlafzimmertemperatur beträgt 18 Grad
  7. Vielleicht mal wieder zu einer Bettlektüre greifen

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